Blog · Deutsch · 2026-07-29
Materialgestütztes Schreiben informierender Texte: So geht's
Kurz gesagt: Beim materialgestützten Schreiben informierender Texte verfasst du auf Basis mehrerer Materialien (Texte, Grafiken, Statistiken) einen eigenen, sachlichen Text für eine vorgegebene Situation, etwa einen Artikel für die Schülerzeitung. Du wählst relevante Informationen aus, ordnest sie neu nach eigenen Gesichtspunkten und formulierst sie adressatengerecht. Wichtig: Du analysierst die Materialien nicht, sondern nutzt sie als Informationsquelle. Zitate und Übernahmen kennzeichnest du durch Verweise wie „laut Material 2“.
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Was von dir verlangt wird
Die Aufgabe gibt dir eine Schreibsituation vor: Wer schreibt für wen, in welcher Textsorte, zu welchem Thema? Typisch sind ein Artikel für die Schülerzeitung, ein Beitrag für die Schulhomepage oder ein Informationstext für eine Ausstellung. Dazu bekommst du ein Materialdossier: Sachtexte, Interviews, Grafiken, manchmal Statistiken oder Bilder.
Dein Ziel ist ein eigenständiger, informierender Text. Das heißt: sachlich, verständlich, ohne eigene Wertung im Vordergrund. Du beschreibst die Materialien nicht nacheinander, sondern verarbeitest ihre Inhalte zu einem neuen Ganzen. Der Unterschied zur Textanalyse? Dort untersuchst du, wie ein Text gemacht ist. Hier interessiert dich nur, was drinsteht und was davon für deine Leser:innen wichtig ist.
- Adressatenbezug: Du schreibst für ein konkretes Publikum, nicht für die Lehrkraft.
- Auswahl statt Vollständigkeit: Nicht alles aus dem Material muss in deinen Text.
- Eigene Struktur: Die Reihenfolge der Materialien ist nie die Gliederung deines Textes.
Schritt für Schritt: Vom Material zum Text
- Aufgabe genau lesen (5 Min.): Markiere Thema, Textsorte, Adressaten und Schreibanlass. Formuliere für dich in einem Satz: „Ich schreibe einen ... für ..., der über ... informiert.“
- Material sichten und markieren (15 bis 20 Min.): Lies jedes Material mit der Leitfrage: Was davon brauchen meine Leser:innen? Markiere Kernaussagen, Zahlen, Definitionen und Beispiele. Notiere am Rand ein Stichwort pro Absatz.
- Informationen ordnen (10 Min.): Sammle deine Markierungen und bilde thematische Gruppen, zum Beispiel Ursachen, Folgen, Lösungsansätze. Materialien, die sich widersprechen? Notiere beide Positionen, das gehört zur sachlichen Information dazu.
- Gliederung entwerfen (5 Min.): Lege eine Reihenfolge fest, die für dein Publikum logisch ist: vom Bekannten zum Unbekannten, vom Allgemeinen zum Konkreten oder von Ursachen zu Folgen.
- Schreiben (45 bis 60 Min.): Einleitung mit Aufhänger und Themennennung, Hauptteil entlang deiner Gliederung, Schluss mit Ausblick oder Zusammenfassung. Verweise auf die Materialien, wenn du Zahlen oder Zitate übernimmst.
- Überarbeiten (10 Min.): Prüfe Aufgabenbezug, Materialverweise, Übergänge und Rechtschreibung.
Faustregel für die Zeitaufteilung in einer Klausur: etwa ein Drittel für Lesen und Planen, zwei Drittel für Schreiben und Überarbeiten.
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Ausformuliertes Beispiel: So klingt der fertige Text
Angenommen, die Aufgabe lautet: „Verfasse für die Schülerzeitung einen informierenden Artikel über die Auswirkungen von Schlafmangel bei Jugendlichen.“ Das Dossier enthält einen Sachtext zur Schlafforschung (Material 1), ein Experteninterview (Material 2) und eine Grafik zur durchschnittlichen Schlafdauer (Material 3).
So könnte dein Einstieg aussehen:
„Müde in der ersten Stunde, unkonzentriert in der Klausur: Viele von uns kennen das. Doch Schlafmangel ist mehr als ein unangenehmes Gefühl. Er beeinflusst Gedächtnis, Stimmung und sogar die Gesundheit. Was passiert im Körper, wenn wir zu wenig schlafen, und wie viel Schlaf brauchen Jugendliche eigentlich?“
Und so ein Absatz aus dem Hauptteil, der zwei Materialien verknüpft:
„Jugendliche benötigen laut Schlafforschung acht bis zehn Stunden Schlaf pro Nacht (Material 1). Die Realität sieht anders aus: Die durchschnittliche Schlafdauer liegt bei vielen Oberstufenschüler:innen deutlich darunter, wie die Grafik in Material 3 zeigt. Die Schlafmedizinerin erklärt das im Interview mit der verschobenen inneren Uhr in der Pubertät: Der Körper wird abends später müde, die Schule beginnt aber trotzdem früh (Material 2).“
Beachte drei Dinge an diesem Absatz: Er kombiniert Informationen aus drei Quellen. Er nennt die Materialien knapp in Klammern. Und er formuliert alles in eigenen Worten, ohne lange wörtliche Zitate.
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
- Material für Material abarbeiten: Der Text wird zur Nacherzählung des Dossiers („Material 1 sagt ..., Material 2 sagt ...“). Besser: Ordne nach Themen, nicht nach Quellen.
- Adressaten vergessen: Du schreibst einen neutralen Schulaufsatz statt eines Artikels für Mitschüler:innen. Besser: Wähle einen passenden Einstieg, erkläre Fachbegriffe, sprich das Publikum an, wo es zur Textsorte passt.
- Abschreiben statt umformulieren: Ganze Sätze aus dem Material zu übernehmen gilt als fehlende Eigenleistung. Besser: Lies den Abschnitt, leg das Material weg, formuliere aus dem Kopf.
- Eigene Meinung einbauen: „Ich finde, dass ...“ hat in einem informierenden Text nichts verloren. Besser: Sachlich bleiben. Widersprüche im Material darfst du benennen, aber nicht bewerten.
- Keine Materialverweise: Zahlen und Zitate ohne Quellenangabe wirken wie Behauptungen. Besser: Kurze Verweise wie „laut Material 2“ oder „(M3)“ direkt an der Stelle.
- Alles reinpacken wollen: Ein überladener Text ohne roten Faden. Besser: Frage dich bei jeder Information: Braucht mein Publikum das wirklich?
- Analysieren statt informieren: Aussagen über Stilmittel oder Argumentationsstrategie der Materialien gehören nicht in die Aufgabe. Besser: Nur Inhalte verwerten.
Extra: Grafiken und Statistiken richtig einbauen
Fast jedes Dossier enthält eine Grafik oder Tabelle. Wie gehst du damit um? Beschreibe nicht die ganze Grafik, sondern wähle die aussagekräftigste Information aus und formuliere sie als Satz.
Statt: „Die Grafik zeigt einen Balken bei 6,5 und einen bei 9.“ Schreibe: „Viele Jugendliche schlafen im Schnitt nur sechseinhalb Stunden, empfohlen wären jedoch bis zu neun Stunden (Material 3).“
- Zahlen runden, wenn es die Lesbarkeit verbessert: „rund zwei Drittel“ statt „66,4 Prozent“.
- Zahlen einordnen: Eine nackte Zahl sagt wenig. Vergleiche sie mit einem Richtwert oder einer zweiten Zahl aus dem Material.
- Quelle nennen, aber knapp: Der Verweis auf das Material genügt.
Checkliste für die Klausur
Vor dem Abgeben einmal durchgehen:
- Habe ich die geforderte Textsorte getroffen (Artikel, Beitrag, Informationstext)?
- Passt mein Text zu den Adressaten: Ansprache, Wortwahl, erklärte Fachbegriffe?
- Hat der Text eine erkennbare Struktur: Einleitung mit Aufhänger, gegliederter Hauptteil, runder Schluss?
- Habe ich Informationen aus mehreren Materialien verknüpft statt sie nacheinander abzuarbeiten?
- Sind Zahlen, Zitate und zentrale Aussagen mit Materialverweisen belegt?
- Ist alles in eigenen Worten formuliert, ohne abgeschriebene Passagen?
- Bleibt der Text durchgehend sachlich, ohne eigene Wertungen?
- Gibt es Übergänge zwischen den Absätzen statt bloßer Aneinanderreihung?
- Stimmen Rechtschreibung, Zeichensetzung und Tempus (Präsens als Grundtempus)?
Häufige Fragen
Darf ich beim materialgestützten Schreiben eigenes Wissen einbringen?
Ja, in Maßen. Eigenes Vorwissen darf das Material ergänzen, etwa um einen Fachbegriff zu erklären oder einen Zusammenhang herzustellen. Die Grundlage deines Textes müssen aber die Materialien bleiben. Erfinde keine Zahlen oder Fakten, die du nicht belegen kannst.
Muss ich alle Materialien aus dem Dossier verwenden?
In der Regel solltest du auf alle oder fast alle Materialien zurückgreifen, denn sie sind bewusst zusammengestellt. Du musst aber nicht jede Einzelinformation verwerten. Wähle aus jedem Material das aus, was für deine Aufgabe und dein Publikum relevant ist.
Wie zitiere ich die Materialien richtig?
Kurze Verweise reichen: „laut Material 1“, „wie das Interview zeigt (M2)“ oder eine Klammer mit Materialnummer. Wörtliche Zitate setzt du in Anführungszeichen und nutzt sie sparsam. Ein vollständiges Literaturverzeichnis ist nicht nötig.
Was ist der Unterschied zum materialgestützten argumentierenden Schreiben?
Beim informierenden Schreiben stellst du Sachverhalte neutral dar, ohne Position zu beziehen. Beim argumentierenden Schreiben entwickelst du auf Materialbasis eine eigene begründete Position, etwa in einem Kommentar. Die Aufgabenstellung verrät dir, welche Variante gefragt ist: „informiere“ oder „nimm Stellung“.
Wie lang sollte der Text in der Klausur sein?
Es gibt keine feste Wortzahl, entscheidend ist die vollständige Bearbeitung der Aufgabe. Als Orientierung: Der Text sollte alle wesentlichen Aspekte des Themas abdecken und dabei eine klare Struktur mit Einleitung, Hauptteil und Schluss haben. Qualität und Aufgabenbezug zählen mehr als Länge.
Wie schreibe ich eine gute Einleitung für einen informierenden Text?
Beginne mit einem Aufhänger, der dein Publikum abholt: eine Alltagssituation, eine überraschende Zahl aus dem Material oder eine Frage. Danach nennst du das Thema und deutest an, worüber der Text informiert. Vermeide Formulierungen wie „In diesem Text geht es um“, das wirkt schwerfällig.