Blog · Deutsch · 2026-07-29
Materialgestütztes Schreiben: informierender Text im Abitur
Kurz gesagt: Beim materialgestützten Schreiben eines informierenden Textes verfasst du auf Grundlage mehrerer Materialien (Texte, Grafiken, Statistiken) einen eigenständigen, sachlichen Text für eine vorgegebene Adressatengruppe. Du wählst passende Informationen aus, ordnest sie neu nach eigenen Gesichtspunkten und formulierst sie in eigenen Worten. Deine Meinung bleibt außen vor, und du analysierst die Materialien nicht. Quellen nennst du kurz im Fließtext, etwa: laut Material 2.
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Was von dir verlangt wird
Die Aufgabe gibt dir drei Dinge vor: ein Thema, eine Textsorte (zum Beispiel Artikel für die Schülerzeitung, Informationstext für eine Website, Beitrag für eine Broschüre) und eine Adressatengruppe (zum Beispiel jüngere Mitschüler:innen oder interessierte Laien). Dazu bekommst du ein Materialdossier: meist drei bis sechs Materialien wie Sachtexte, Interviews, Diagramme oder Zitate.
Wichtig: Die Materialien sind Steinbruch, nicht Vorlage. Du sollst sie weder zusammenfassen noch analysieren. Stattdessen baust du aus ausgewählten Informationen einen neuen, logisch gegliederten Text, der genau zur Situation aus der Aufgabenstellung passt. Informierend heißt dabei: sachlich, verständlich, ohne eigene Wertung. Deine Leistung besteht in der Auswahl, der Anordnung und der adressatengerechten Sprache.
Schritt für Schritt zum Text
- Aufgabe zerlegen (5 Minuten): Unterstreiche Thema, Textsorte, Adressaten und den konkreten Schreibanlass. Formuliere für dich in einem Satz: Wer soll nach dem Lesen was wissen?
- Materialien sichten (15 bis 20 Minuten): Lies jedes Material mit Blick auf die Aufgabe. Markiere nur, was zur Leitfrage passt. Notiere am Rand ein Stichwort pro relevanter Stelle, inklusive Materialnummer.
- Informationen ordnen (10 Minuten): Sammle deine Stichworte und bilde thematische Gruppen, zum Beispiel: Ursachen, Folgen, Lösungsansätze. Diese Gruppen werden deine Textabschnitte. Streiche Doppelungen und Nebensächliches.
- Gliederung festlegen: Einleitung mit Anlass und Thema, Hauptteil mit zwei bis vier Sinnabschnitten in sinnvoller Reihenfolge (vom Allgemeinen zum Besonderen, chronologisch oder nach Aspekten), Schluss mit Fazit oder Ausblick. Keine Meinung im Schluss, ein sachlicher Ausblick reicht.
- Schreiben: Formuliere in eigenen Worten. Binde Materialbezüge knapp ein: laut Material 3, wie eine Grafik zeigt (M4), der Soziologe X betont (M1). Achte auf Überleitungen zwischen den Abschnitten.
- Überarbeiten (10 Minuten): Prüfe Aufgabenbezug, Quellenangaben, Sachlichkeit, Rechtschreibung. Lies besonders Einleitung und Schluss noch einmal kritisch.
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Ausformuliertes Beispiel: Einleitung und Materialeinbindung
Angenommene Aufgabe: Verfasse für die Website deiner Schule einen informierenden Text zum Thema Fast Fashion für Schüler:innen der Mittelstufe. Materialien: ein Zeitungsartikel (M1), ein Diagramm zu Kleiderkäufen Jugendlicher (M2), ein Experteninterview (M3).
So könnte die Einleitung aussehen:
Drei T-Shirts für zehn Euro: klingt gut, oder? Hinter solchen Preisen steckt das Geschäftsmodell Fast Fashion, also schnell produzierte Mode, die oft nur wenige Male getragen wird. Dieser Beitrag erklärt, was Fast Fashion bedeutet, welche Folgen sie für Umwelt und Menschen hat und was jede:r Einzelne tun kann.
So könnte ein Absatz im Hauptteil aussehen:
Wie verbreitet der schnelle Modekonsum ist, zeigt eine aktuelle Erhebung: Demnach kaufen Jugendliche in Deutschland im Schnitt deutlich mehr Kleidungsstücke pro Jahr als noch vor zwanzig Jahren (M2). Der Journalist Meier führt das vor allem auf niedrige Preise und Trends in sozialen Medien zurück (M1). Die Textilexpertin Dr. Schulz weist zudem darauf hin, dass viele dieser Kleidungsstücke unter problematischen Arbeitsbedingungen entstehen (M3).
Beachte drei Dinge: Die Einleitung spricht die junge Zielgruppe direkt an. Der Hauptteil kombiniert Informationen aus mehreren Materialien in einem Absatz, statt sie nacheinander abzuarbeiten. Und jede übernommene Information trägt eine Quellenangabe in Klammern oder im Satz.
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
- Materialreferat statt eigener Text: Wer M1, dann M2, dann M3 nacherzählt, verfehlt die Aufgabe. Ordne stattdessen nach inhaltlichen Aspekten und mische die Materialien innerhalb der Abschnitte.
- Meinung einschmuggeln: Formulierungen wie skandalös, endlich oder meiner Meinung nach gehören nicht in einen informierenden Text. Ersetze Wertungen durch sachliche Aussagen: nicht schlimm für die Umwelt, sondern mit hohen Umweltbelastungen verbunden.
- Fehlende Quellenangaben: Ohne Verweis wirkt jede Information wie deine eigene Behauptung, und Punkte gehen verloren. Faustregel: Jede übernommene Zahl, jedes Zitat, jede spezifische Aussage bekommt eine Materialangabe.
- Abschreiben statt umformulieren: Längere wörtliche Übernahmen sind nur als gekennzeichnetes Zitat mit Anführungszeichen erlaubt, und das sparsam. Standard ist die Wiedergabe in eigenen Worten.
- Adressaten vergessen: Ein Text für die Mittelstufe braucht erklärte Fachbegriffe und einfachere Sätze als ein Text für ein Fachpublikum. Prüfe nach jedem Absatz: Versteht das meine Zielgruppe?
- Alles verwenden wollen: Nicht jedes Material ist gleich ergiebig. Auswahl ist Teil der Leistung. Was nicht zur Aufgabenstellung passt, lässt du weg.
Checkliste für die Klausur
- Habe ich Thema, Textsorte und Adressaten aus der Aufgabe erfasst und im Text umgesetzt?
- Hat mein Text eine passende Überschrift (falls die Textsorte eine verlangt)?
- Führt die Einleitung zum Thema hin und weckt Interesse, ohne zu werten?
- Sind die Hauptteil-Abschnitte thematisch geordnet und durch Überleitungen verbunden?
- Habe ich Informationen aus mehreren Materialien kombiniert statt Material für Material abzuarbeiten?
- Trägt jede übernommene Information eine Quellenangabe (M1, M2, ...)?
- Ist alles in eigenen Worten formuliert, Zitate nur kurz und gekennzeichnet?
- Bleibt der Ton durchgehend sachlich, ohne Ich-Meinung?
- Passt die Sprache zur Zielgruppe: Fachbegriffe erklärt, Satzlänge angemessen?
- Rundet der Schluss den Text ab, etwa mit Fazit oder Ausblick, ohne neue Fakten?
- Habe ich am Ende Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik geprüft?
Häufige Fragen
Darf ich beim materialgestützten Schreiben eigenes Wissen einbringen?
Ja, in Maßen. Eigenes Vorwissen darfst du ergänzen, wenn es sachlich korrekt ist und zur Aufgabe passt. Die Basis deines Textes müssen aber die Materialien bleiben, denn deren Auswertung wird bewertet.
Muss ich alle Materialien verwenden?
Nein. Du sollst eine begründete Auswahl treffen. In der Regel solltest du aber die Mehrzahl der Materialien nutzen, denn die Auswahl relevanter Informationen aus verschiedenen Quellen ist Kern der Aufgabe. Ein komplett ignoriertes Dossier fällt negativ auf.
Wie gebe ich die Quellen im Text richtig an?
Am einfachsten mit der Materialnummer in Klammern, zum Beispiel (M2), oder eingebunden in den Satz: laut Material 2 oder wie die Autorin Schulz erklärt (M3). Wörtliche Zitate setzt du zusätzlich in Anführungszeichen. Ein Literaturverzeichnis brauchst du nicht.
Was ist der Unterschied zwischen informierendem und argumentierendem materialgestützten Schreiben?
Beim informierenden Schreiben stellst du Sachverhalte neutral dar, ohne Position zu beziehen. Beim argumentierenden Schreiben entwickelst du dagegen eine eigene begründete Position und nutzt die Materialien als Argumentationsgrundlage. Lies die Aufgabenstellung genau, dort steht die verlangte Variante.
Wie lang sollte der informierende Text in der Klausur sein?
Es gibt keine feste Wortzahl, richte dich nach der Bearbeitungszeit und der Aufgabenstellung. Als Orientierung gelten in der Oberstufe meist etwa 600 bis 900 Wörter. Qualität der Auswahl und Struktur zählen mehr als reine Länge.