Blog · Deutsch · 2026-08-02
Materialgestütztes Schreiben: informierender Text mit Beispiel
Kurz gesagt: Beim materialgestützten Schreiben eines informierenden Textes wertest du mehrere Materialien wie Sachtexte, Grafiken oder Interviews aus und verfasst daraus einen eigenständigen, sachlichen Text für eine vorgegebene Zielgruppe. Du übernimmst keine Passagen wörtlich, sondern wählst passende Informationen aus, ordnest sie logisch und formulierst sie neu. Der Aufbau: Einleitung mit Thema und Anlass, gegliederter Hauptteil mit sinnvollen Absätzen, kurzer Schluss mit Fazit oder Ausblick.
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Was bedeutet materialgestütztes Schreiben eines informierenden Textes?
Dieses Aufgabenformat gehört fest zum Deutschabitur. Du bekommst ein Dossier mit mehreren Materialien: Sachtexte, Diagramme, Zitate, manchmal Karikaturen oder Interviewausschnitte. Deine Aufgabe ist es, daraus einen neuen, informierenden Text zu schreiben, der zu einer konkreten Schreibsituation passt. Etwa ein Artikel für die Schülerzeitung, ein Beitrag für die Schulhomepage oder ein Informationstext für eine Projektwoche.
Der entscheidende Unterschied zur Textanalyse: Die Materialien sind hier Werkzeug, nicht Gegenstand. Du analysierst sie nicht, du nutzt sie. Niemand will lesen, welche rhetorischen Mittel Material 1 verwendet. Gefragt ist, welche Informationen darin stecken und wie du sie für deine Leserschaft aufbereitest.
Drei Dinge bestimmen deinen Text: die Zielgruppe (Wer liest das?), die Textsorte (Artikel, Infotext, Beitrag?) und der Schreibanlass (Warum wird informiert?). Alle drei stehen in der Aufgabenstellung. Überlies sie nicht.
Schritt für Schritt: So gehst du vor
- Aufgabe zerlegen (5 Min.): Unterstreiche Zielgruppe, Textsorte, Thema und Anlass. Formuliere in einem Satz, was dein Text leisten soll.
- Materialien sichten (15 Min.): Lies jedes Material mit der Leitfrage: Was davon braucht meine Zielgruppe? Markiere Kernaussagen, notiere am Rand Stichworte.
- Informationen ordnen (10 Min.): Sammle die markierten Punkte thematisch, nicht materialweise. Was gehört inhaltlich zusammen? Streiche Doppelungen und Nebensächliches.
- Gliederung bauen (5 Min.): Lege drei bis fünf Sinnabschnitte für den Hauptteil fest und bringe sie in eine logische Reihenfolge, zum Beispiel vom Allgemeinen zum Konkreten oder von Ursachen zu Folgen.
- Schreiben: Einleitung mit Aufhänger, Thema und Anlass. Hauptteil mit Absätzen und Überleitungen. Schluss mit knappem Fazit, Ausblick oder Tipp für die Leserschaft.
- Überarbeiten (10 Min.): Prüfe Sachlichkeit, Materialbezüge, Rechtschreibung und ob der Text zur Zielgruppe passt.
Wichtig für die Zeitplanung: Etwa ein Drittel der Arbeitszeit gehört der Vorbereitung. Wer sofort losschreibt, produziert meist eine unsortierte Nacherzählung der Materialien.
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Ausformuliertes Beispiel: Artikel für die Schülerzeitung
Ein fiktives Übungsszenario: Die Aufgabe lautet, für die Schülerzeitung einen informierenden Artikel zum Thema Schlaf und Smartphone-Nutzung bei Jugendlichen zu verfassen. Das Dossier enthält drei Materialien: einen Sachtext über die Funktion von Schlaf, eine Grafik zur abendlichen Mediennutzung und ein Interview mit einer Schlafforscherin.
So könnte die Einleitung aussehen:
"Kurz vor Mitternacht noch schnell durch den Feed scrollen: Für viele von uns gehört das zum Abend wie das Zähneputzen. Doch was macht das eigentlich mit unserem Schlaf? Ein Blick auf aktuelle Erkenntnisse zeigt, warum das Handy am Bett problematischer ist, als die meisten denken, und was wirklich hilft."
Ein Auszug aus dem Hauptteil:
"Schlaf ist weit mehr als eine Pause für den Körper. Wie der Sachtext von Material 1 erläutert, verarbeitet das Gehirn nachts Gelerntes und festigt Erinnerungen. Wer zu wenig schläft, kann sich am nächsten Tag schlechter konzentrieren. Genau hier wird das Smartphone zum Problem. Die im Interview zitierte Schlafforscherin weist darauf hin, dass helles Displaylicht am Abend das Einschlafen verzögern kann. Hinzu kommt die ständige Erreichbarkeit: Wer auf Nachrichten wartet, kommt schwerer zur Ruhe."
Und der Schluss:
"Niemand muss das Handy komplett verbannen. Schon feste Bildschirmpausen vor dem Schlafengehen können einen Unterschied machen. Vielleicht ein Vorsatz, der sich leichter umsetzen lässt als gedacht."
Achte auf drei Dinge in diesem Beispiel: Die Ansprache passt zur Zielgruppe der Schülerzeitung, die Materialien werden inhaltlich genutzt und benannt, und der Ton bleibt informierend, nicht wertend oder appellierend im argumentativen Sinn.
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
- Materialien nacheinander abarbeiten: Erst alles aus Material 1, dann Material 2? So entsteht kein eigener Text, sondern eine Zusammenfassungskette. Ordne stattdessen nach Themen und verknüpfe Informationen aus verschiedenen Materialien im selben Absatz.
- Analysieren statt informieren: Sätze wie "Der Autor verwendet eine Metapher" gehören in die Textanalyse, nicht hierher. Frage dich bei jedem Satz: Informiert das meine Leserschaft über das Thema?
- Zielgruppe vergessen: Ein Text für die Schülerzeitung klingt anders als ein Infoblatt für Eltern. Wortwahl, Ansprache und Beispiele müssen passen. Lies die Aufgabenstellung zweimal.
- Wörtlich abschreiben: Längere ungekennzeichnete Übernahmen kosten Punkte. Formuliere in eigenen Worten. Kurze wörtliche Zitate sind erlaubt, wenn du sie kennzeichnest und die Quelle nennst.
- Meinung einbauen: "Ich finde, dass..." hat in einem informierenden Text nichts verloren. Bleib sachlich. Ein Ausblick am Schluss ist in Ordnung, ein Plädoyer nicht.
- Fehlende Überleitungen: Absätze, die unverbunden nebeneinanderstehen, wirken wie eine Stichwortliste. Nutze verbindende Formulierungen wie "Hinzu kommt", "Ein weiterer Aspekt ist" oder "Daraus ergibt sich".
Checkliste für die Klausur
- Zielgruppe, Textsorte und Anlass aus der Aufgabe notiert?
- Alle Materialien gesichtet und Kernaussagen markiert?
- Informationen thematisch geordnet, nicht materialweise?
- Gliederung mit Einleitung, drei bis fünf Hauptteil-Abschnitten und Schluss?
- Einleitung mit Aufhänger und klarer Themennennung?
- Materialbezüge im Text erkennbar, zum Beispiel "Wie Material 2 zeigt"?
- Eigene Formulierungen statt abgeschriebener Passagen?
- Sachlicher Ton, keine persönliche Meinung, keine Ich-Wertungen?
- Überleitungen zwischen den Absätzen?
- Schluss mit Fazit oder Ausblick, keine neue Information?
- Zehn Minuten fürs Korrekturlesen eingeplant?
Statt PDF-Download: So übst du am besten
Viele suchen ein fertiges Beispiel als PDF. Verständlich, aber das größte Lernpotenzial liegt woanders. Ein fremder Mustertext zeigt dir das Ergebnis, nicht den Weg dorthin. Sinnvoller ist diese Übungsroutine:
- Nimm eine alte Klausuraufgabe oder eine Übungsaufgabe aus deinem Deutschbuch mit Materialdossier.
- Schreibe zuerst nur den Schreibplan: Zielgruppe, Gliederung, Zuordnung der Materialinformationen. Das dauert 20 Minuten und trainiert genau die Phase, an der die meisten scheitern.
- Formuliere dann Einleitung und einen Hauptteil-Absatz aus. Vergleiche mit den Musterpassagen aus diesem Artikel: Passt die Ansprache? Sind Materialbezüge da?
- Wiederhole das mit einem anderen Thema. Nach zwei bis drei Durchgängen sitzt die Struktur.
Frag außerdem deine Lehrkraft nach Erwartungshorizonten früherer Klausuren. Daraus siehst du genau, welche Kriterien in Berlin bewertet werden: Aufgabenerfassung, Materialnutzung, Textaufbau, sprachliche Richtigkeit und Adressatenbezug.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen materialgestütztem Schreiben und einer Textanalyse?
Bei der Textanalyse ist der Text selbst das Thema: Du untersuchst Aufbau, Sprache und Wirkung. Beim materialgestützten Schreiben sind die Materialien nur Informationsquellen. Du entnimmst ihnen Inhalte und schreibst damit einen eigenen Text für eine neue Zielgruppe.
Muss ich alle Materialien aus dem Dossier verwenden?
Du solltest alle Materialien sichten und in der Regel auch aus allen etwas nutzen, denn sie sind bewusst zusammengestellt. Du musst aber nicht jede Einzelinformation übernehmen. Wähle aus, was für deine Zielgruppe und dein Thema relevant ist, und lasse Nebensächliches weg.
Darf ich eigenes Wissen in den informierenden Text einbringen?
Ja, eigenes Vorwissen darfst du ergänzend nutzen, solange es sachlich korrekt ist und zum Thema passt. Die Basis deines Textes müssen aber die Materialien bleiben. Erfinde keine Zahlen oder Studien, das fällt auf und kostet Punkte.
Wie gebe ich die Materialien im Text an?
Verweise im Fließtext auf die Quelle, zum Beispiel mit Formulierungen wie 'Wie Material 2 zeigt' oder 'Laut der Schlafforscherin im Interview'. Kurze wörtliche Zitate setzt du in Anführungszeichen und ordnest sie einem Material zu. Ein Literaturverzeichnis brauchst du nicht.
Wie lang soll ein materialgestützter informierender Text in der Klausur sein?
Eine feste Wortzahl gibt es meist nicht, entscheidend ist die vollständige Bearbeitung der Aufgabe. Als Orientierung gelten je nach Arbeitszeit etwa 600 bis 900 Wörter. Qualität schlägt Länge: Ein gut gegliederter, präziser Text ist besser als ein aufgeblähter.
Darf ich im informierenden Text die Ich-Form oder eine direkte Anrede verwenden?
Das hängt von Textsorte und Zielgruppe ab. In einem Artikel für die Schülerzeitung ist eine direkte Ansprache der Leserschaft oft passend. Persönliche Meinungsäußerungen wie 'Ich finde' gehören aber nicht hinein, der Text muss sachlich informieren.